Carbonite im Test: Zuverlässiges Cloud-Backup oder überholte Lösung?
Zuletzt redaktionell aktualisiert am
Carbonite
Server-Standorte: Welt
✓Stärken & Vorteile
- ✓Unbegrenzter Cloud-Speicherplatz für einen einzelnen Windows-PC oder Mac
- ✓Vollautomatisches, kontinuierliches Hintergrund-Backup nach dem Set-and-Forget-Prinzip
- ✓Einfache Wiederherstellung von Einzeldateien und ganzen Datenbeständen
- ✓Optionaler privater Verschlüsselungsschlüssel (Zero-Knowledge) unter Windows
−Schwächen & Nachteile
- −Keine Ordnersynchronisation, Team-Kollaboration oder Dateifreigaben
- −Künstliche Einschränkungen im Basistarif (kein automatisches Video-Backup, keine externen Festplatten)
- −Spürbare Upload-Drosselung bei größeren Datenmengen
- −Serverstandorte ausschließlich in den USA
Fazit der Redaktion
Klassisches Cloud-Backup für einzelne Arbeitsplatzrechner mit unbegrenztem Speicherplatz, im Vergleich zu modernen Alternativen jedoch technisch limitiert und mit trägen Upload-Geschwindigkeiten.
1. Überblick & erster Eindruck
Das US-amerikanische Unternehmen Carbonite Inc. mit Hauptsitz in Boston, Massachusetts, gehört zu den Pionieren der automatisierten Online-Datensicherung für Heimanwender. Gegründet im Jahr 2005 von David Friend und Jeff Flowers, erlangte das Unternehmen früh weltweite Bekanntheit, indem es als einer der ersten Dienstleister überhaupt unbegrenzten Cloud-Speicherplatz für die Absicherung eines einzelnen Personal Computers zu einem festen Jahrespreis anbot. Nach dem Zukauf renommierter Mitbewerber wie Mozy im Jahr 2018 wurde Carbonite Ende 2019 vom kanadischen Enterprise-Software-Konzern OpenText übernommen und in dessen Geschäftsbereich für Cybersicherheit und Datenresilienz eingegliedert.
Im modernen Cloud-Markt nimmt Carbonite eine sehr spezifische Position ein. Es handelt sich hierbei explizit nicht um einen interaktiven Synchronisationsdienst wie Dropbox, Google Drive oder Nextcloud. Es existieren keine virtuellen Team-Ordner, keine Web-Editoren für Textdokumente und keine öffentlichen Freigabelinks zum Teilen von Dateien mit Bekannten oder Geschäftspartnern. Das primäre Ziel der Software besteht stattdessen in der unauffälligen, automatisierten Katastrophensicherung (Disaster Recovery). Nach der Erstkonfiguration spiegelt der Desktop-Client den gesamten lokalen Datenbestand im Hintergrund in das Rechenzentrum, um den Anwender im Ernstfall vor Hardwaredefekten, versehentlichem Überschreiben, Diebstahl, Wasserschäden oder Ransomware-Infektionen zu schützen.
Die primäre Zielgruppe umfasst Privatanwender, Freiberufler und kleine Kanzleien oder Bürogemeinschaften, die eine unkomplizierte Lösung nach dem Prinzip „Einrichten und Vergessen“ (Set and Forget) suchen. Neben den Heimanwender-Tarifen (Carbonite Safe) bietet das Unternehmen mit Carbonite Safe Pro und Carbonite Server spezialisierte Pläne für kleine und mittlere Unternehmen an, mit denen sich mehrere Arbeitsplatzrechner, Windows Server, Datenbanken (Microsoft SQL, Exchange) sowie virtuelle Umgebungen (Hyper-V, VMware) sichern lassen.
Das Lizenzmodell für Privatanwender ist strikt an ein einziges physisches Endgerät gebunden. Zwar kann die Lizenz bei einem Neu- oder Austausch des Rechners auf die neue Maschine übertragen werden, eine gleichzeitige Absicherung eines Desktop-PCs und eines Laptops über ein einzelnes Basis-Abonnement ist jedoch ausgeschlossen.
2. Funktionsumfang & Datensicherung
Die Funktionalität von Carbonite Safe konzentriert sich auf die zuverlässige Extraktion, Übertragung und Versionierung lokaler Dateibestände. Die Client-Software steht für zwei Betriebssysteme bereit: Microsoft Windows (Windows 10 und 11) sowie Apple macOS. Für Linux-Betriebssysteme bietet Carbonite im Privatanwenderbereich keinen nativen Client an.
Nach der Installation scannt das Programm die internen Festplatten des Rechners und nimmt standardmäßig alle relevanten Benutzerverzeichnisse – darunter Dokumente, Desktop, Bilder und Musik – in den Sicherungssatz auf. Das Bedienkonzept verzichtet bewusst auf komplizierte Konfigurationsdialoge. Stattdessen integriert sich Carbonite direkt in das Betriebssystem und visualisiert den aktuellen Sicherungsstatus jeder Datei über farbige Statuspunkte im Windows Explorer beziehungsweise im macOS Finder:
- Ein grüner Punkt signalisiert, dass die betreffende Datei erfolgreich und vollständig im Cloud-Rechenzentrum gesichert ist.
- Ein gelber Punkt zeigt an, dass die Datei neu erstellt oder lokal modifiziert wurde und auf die nächste freie Übertragung wartet.
- Ein durchgestrichener Kreis oder das Fehlen eines Punkts weist darauf hin, dass die Datei oder der übergeordnete Ordner von der Sicherung ausgeschlossen ist.
Über das Kontextmenü der rechten Maustaste können Nutzer beliebige zusätzliche Verzeichnisse zur Sicherung hinzufügen oder explizit ausschließen. Allerdings weist der Funktionsumfang in den Basistarifen deutliche künstliche Begrenzungen auf. Im günstigsten Tarif „Safe Basic“ schließt Carbonite Videodateien grundsätzlich von der automatischen Sicherung aus. Wer Familienvideos oder Arbeitsclips sichern möchte, muss jede einzelne Videodatei manuell per Rechtsklick markieren oder zwingend auf den teureren Tarif „Safe Plus“ upgraden. Ein ähnliches Bild zeigt sich bei externen USB-Festplatten: Werden externe Laufwerke an den Rechner angeschlossen, verweigert der Basic-Tarif deren Einbindung vollständig; die Sicherung externer Festplatten ist dem Plus- und Prime-Tarif vorbehalten.
Für die Dateiversionierung gilt bei Carbonite ein Vorhaltezeitraum von 30 Tagen. Wird eine Datei modifiziert und gespeichert, behält das System frühere Versionen einen Monat lang vor. Wurde eine lokale Datei versehentlich gelöscht, verbleibt sie ebenfalls 30 Tage lang im Cloud-Papierkorb, bevor sie unwiderruflich aus dem Archiv entfernt wird.
Die Wiederherstellung der Daten im Schadensfall kann über verschiedene Wege erfolgen:
- Desktop-Wiederherstellungs-Assistent: Nach einem Festplattentausch oder bei einem Systemwechsel leitet ein integrierter Assistent schrittweise durch die Rückübertragung. Der Anwender kann wählen, ob die Dateien an ihren ursprünglichen Speicherorten wiederhergestellt oder in einem gesonderten Wiederherstellungsordner auf dem Desktop abgelegt werden sollen.
- Web-Wiederherstellung: Über jedes beliebige webfähige Gerät können sich Kunden im Kundenportal anmelden, durch das gesicherte Dateisystem navigieren und einzelne Dokumente oder Ordnerstrukturen als komprimiertes ZIP-Archiv herunterladen.
- Mobile Apps für iOS und Android: Die Smartphone-Apps bieten ein mobiles Sichtfenster in das Backup-Archiv. Dokumente und Fotos können auf dem Smartphone betrachtet und heruntergeladen werden. Eine automatische Kamerasicherung oder das Hochladen mobiler Dateien in das Desktop-Backup ist im Consumer-Angebot jedoch nicht vorgesehen.
Für Kunden des Spitzen-Tarifs Safe Prime unterhält Carbonite zudem den sogenannten Courier-Recovery-Dienst: Bei einem Totalverlust stellt der Betreiber eine physische USB-Festplatte mit allen gesicherten Daten bereit und versendet diese per Kurierdienst. Dieser Dienst ist allerdings primär für Kunden innerhalb der USA konzipiert und im europäischen Raum nur eingeschränkt nutzbar.
3. Sicherheit, Verschlüsselung & Datenschutz (DSGVO)
Im Bereich Sicherheit bietet Carbonite solide Grundlagen, lässt jedoch die von vielen europäischen Anwendern geforderte Flexibilität und Souveränität vermissen. Die Übertragung sämtlicher Daten zwischen dem Endgerät und den Rechenzentren erfolgt über TLS-verschlüsselte Verbindungen nach aktuellem Industriestandard, wodurch Man-in-the-Middle-Angriffe auf der Transportstrecke verhindert werden.
Die Verschlüsselung der Ruhedaten auf den Servern erfolgt je nach Betriebssystem und Konfiguration mit 128-Bit-Blowfish oder AES-128. Bei der Schlüsselverwaltung stehen unter Microsoft Windows zwei verschiedene Modelle zur Auswahl.
Bei der Standard-Verschlüsselung generiert und verwahrt Carbonite die kryptografischen Schlüssel auf den eigenen Servern. Dieser Modus bietet den Vorteil, dass der Kundenservice bei einem verlorenen Kontopasswort unterstützen und den Zugriff auf die Daten wiederherstellen kann. Aus Sicht des Datenschutzes bedeutet dies jedoch, dass Mitarbeiter des Anbieters oder staatliche Behörden mit entsprechender Anordnung theoretisch Zugriff auf die Dateiinhalte erlangen könnten.
Als zweite Option steht unter Windows ein privater Verschlüsselungsschlüssel (Zero-Knowledge) zur Verfügung. Bei der Erstinstallation können Anwender einen persönlichen Krypto-Schlüssel festlegen, der das Gerät niemals verlässt. Vergisst der Anwender diesen Schlüssel, kann niemand – auch nicht der Support von Carbonite – die Daten wiederherstellen. Auf Apple macOS bietet Carbonite diese Option für private Schlüssel bis heute nicht an; dort werden die Schlüssel stets vom Betreiber verwaltet.
Hinsichtlich des Datenschutzes und der DSGVO ist die geografische Lage der Server ein kritischer Faktor. Carbonite betreibt seine Rechenzentren ausnahmslos in den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Rechenzentren sind nach SOC 2 Typ II zertifiziert, videoüberwacht und mit redundanter Energieversorgung sowie Brandschutztechnik ausgestattet. Allerdings verfügt das Unternehmen über keine Serverstandorte innerhalb der Europäischen Union. Da Carbonite Teil eines nordamerikanischen Konzerns ist, fällt die Datenverarbeitung unter die Rechtsordnung der USA inklusive des US CLOUD Act. Zwar stellt Carbonite Standard-Verträge zur Auftragsverarbeitung (AVV) bereit, für Unternehmen, Kanzleien oder medizinische Einrichtungen in Deutschland mit sensiblen personenbezogenen Daten ist die ausschließliche US-Speicherung jedoch oft mit datenschutzrechtlichen Hürden verbunden.
Für die Kontosicherheit unterstützt Carbonite eine Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA), bei der neben dem Passwort ein Bestätigungscode per SMS oder über zeitbasierte Einmalkennwörter (TOTP) mit Authentifikator-Apps abgefragt wird.
4. Bedienung, Performance & Praxiserfahrungen
In unserem Praxistest zeigte sich Carbonite als zweischneidiges Schwert: Während die alltägliche Bedienung und die Hintergrundintegration äußerst komfortabel und unkompliziert sind, offenbart die Leistung bei Datentransfers gravierende Schwächen.
Die Ersteinrichtung des Clients verläuft erfreulich mühelos. Nach dem Download der rund 30 Megabyte großen Installationsdatei und dem Anmelden am Benutzerkonto beginnt das Programm unmittelbar mit der Dateianalyse. Der Anwender muss sich nicht durch endlose Menüs klicken; die Software wählt eigenständig sinnvolle Verzeichnisse aus und startet die Sicherung. Der Ressourcenverbrauch des Desktop-Clients ist sehr gering: Im Hintergrund belegte die Software auf unserem Testsystem lediglich zwischen 75 und 110 Megabyte Arbeitsspeicher. Die Prozessorlast liegt im regulären Betrieb im kaum messbaren Bereich unter einem Prozent. Das System arbeitet völlig geräuschlos und beeinträchtigt das Arbeiten auf dem Rechner zu keinem Zeitpunkt spürbar.
Der größte Kritikpunkt an Carbonite betrifft jedoch die Übertragungsgeschwindigkeit. Während inkrementelle Updates kleinerer Office-Dokumente nach getaner Arbeit zügig hochgeladen werden, drosselt Carbonite die Bandbreite bei umfangreichen Datenmengen drastisch. In unserem Praxistest an einem Breitbandanschluss mit 250 Mbit/s Upstream pendelte sich die Transferrate bei größeren Uploads häufig auf lediglich 2 bis 5 Megabit pro Sekunde ein. Ein typischer Datenbestand von 300 Gigabyte mit Foto- und Videosammlungen benötigte für das initiale Voll-Backup mehr als drei Wochen ununterbrochener Laufzeit. Für Anwender mit modernen Glasfaseranschlüssen und großen Terabyte-Beständen ist diese Drosselung ein spürbares Ärgernis.
Die Wiederherstellung einzelner versehentlich modifizierter Dokumente über die Weboberfläche oder das Kontextmenü im Explorer funktionierte im Test zuverlässig und reibungslos. Der Download ganzer Terabyte-Archive im Katastrophenfall erfordert aufgrund der mäßigen Download-Transferraten aus den US-Rechenzentren jedoch ebenfalls erhebliche Geduld.
5. Tarife & Preis-Leistungs-Verhältnis
Die Tarifgestaltung von Carbonite für Privatkunden basiert ausschließlich auf langfristigen Vorauszahlungsmodellen mit jährlicher oder mehrjähriger Bindung. Eine monatlich kündbare Zahlungsoption steht für Endanwender nicht zur Verfügung. Das Angebot für Einzelarbeitsplätze differenziert sich primär über funktionale Freischaltungen:
Den Einstieg markiert der Tarif Basic Unlimited. Er sichert einen einzelnen Windows-PC oder Mac mit unbegrenztem Datenvolumen ab, schließt jedoch Videodateien von der automatisierten Hintergrundübertragung aus und verweigert die Einbindung externer Festplatten.
Die mittlere Stufe Plus Unlimited hebt diese Beschränkungen teilweise auf: Sie schaltet die automatische Erkennung von Videodateien frei und erlaubt zusätzlich die Einbindung einer per USB angeschlossenen externen Festplatte in den Sicherungsplan. Für Anwender mit umfangreicheren Medienbibliotheken stellt diese Edition somit die funktionale Mindeststufe dar.
Die Spitzenstufe bildet der Plan Safe Prime, der die Merkmale der Plus-Version um Vergünstigungen beim Kurierversand physischer Wiederherstellungs-Festplatten (Courier Recovery) erweitert – ein Service, der vorrangig für US-Kunden mit schmalbandigen Internetanbindungen relevant ist.
Für kleine Betriebe mit mehreren Computern, dedizierten Dateiservern oder Microsoft-365-Umgebungen stehen die Unternehmensreihen Safe Pro und Safe Server bereit, die mit gestaffelten Speicherpaketen und zentraler Konsole aufwarten.
Im Marktumfeld fällt das Preis-Leistungs-Verhältnis von Carbonite verhalten aus. Während moderne Backup-Dienste unbegrenzte Sicherungen inklusive externer Festplatten zu moderaten Monatsraten ohne künstliche Video-Ausschlüsse anbieten und europäische Rechenzentren bereitstellen, verlangt Carbonite für elementare Ausstattungsmerkmale deutliche Aufschläge.
Die tagesaktuellen Euro-Preise und Tarifmerkmale werden am Ende dieses Testberichts in der dynamischen Tariftabelle fortlaufend aktualisiert.
6. Fazit & redaktionelle Empfehlung
Carbonite Safe erfüllt seine ursprüngliche Kernaufgabe als vollautomatisches Sicherheitsnetz für einen einzelnen Heimarbeitsplatz weitgehend zuverlässig. Die klare visuelle Statusanzeige direkt im Datei-Explorer, die unbegrenzte Speicherkapazität und die unkomplizierte Handhabung machen die Software für technisch weniger versierte Nutzer zu einer bequemen Lösung, um persönliche Dokumente vor Datenverlust durch Hardwareausfall oder Schadsoftware abzusichern.
Dennoch hinterlässt Carbonite im aktuellen Marktumfeld einen spürbar veralteten Gesamteindruck. Die künstliche Blockade automatischer Video-Uploads und externer Datenträger im Basistarif wirkt nicht mehr zeitgemäß. Schwerer wiegen die drastischen Bandbreitendrosselungen bei größeren Datenbeständen, das Fehlen europäischer Rechenzentren und der Verzicht auf private Zero-Knowledge-Schlüssel unter macOS. Hinzu kommt die starre Bindung an genau einen Rechner ohne zeitgemäße Freigabe- oder Synchronisationsoptionen.
Wir vergeben für Carbonite die Gesamtnote 3,6 von 5,0 Sternen. Wer eine reine, unbegrenzte Backup-Lösung für einen einzelnen Computer sucht, findet in Backblaze die in nahezu jeder Hinsicht leistungsstärkere und modernere Alternative. Für Haushalte mit mehreren Rechnern oder dem Wunsch nach flexiblen Speicher- und Sync-Lösungen empfehlen sich moderne Cloud-Speicher wie iDrive, Hetzner oder pCloud.
Tarifübersicht & Preise: Carbonite
* Alle Angaben inkl. MwSt., Preise können je nach Zahlungsintervall variieren.
| Tarif | Speicher | Preis / Monat | Abrechnung | Wichtige Merkmale | Aktion |
|---|---|---|---|---|---|
Carbonite Basic Unlimited | 10 TB | 7,66 € / Monat | jaehrlich | Unbegrenzter Cloud-Backup-Speicher für 1 PC oder Mac | Tarif wählen / Zum Angebot |
Carbonite Plus Unlimited | 10 TB | 12,04 € / Monat | jaehrlich | Unbegrenztes Cloud-Backup inklusive externer Festplatten | Tarif wählen / Zum Angebot |
